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 Diesen Artikel von Fellgiganten kann ich sehr empfehlen, er wurde geschrieben von einem Nicht-Züchter!

FELLGIGANTEN 

LONG LIVE THE COON! – DER MAINE COON BLOG

The Boss

DER PREIS EINER MAINE COON – UND DAS PROBLEM EINER MODERASSE

Maine Coons sind süß, oder?

Groß. Pelzig. Ihr Wesen soll fantastisch sein.

Es ist, als hätte man einen lebendigen Luchs im Wohnzimmer. Und der will sogar mit dir knuddeln!

Problem: Maine Coons sind Rassekatzen.

Rassekatzen sind teuer.

Und wenn’s um Geld geht, dann hört der Spaß auf, oder?

 

DIE SACHE MIT DEM ZASTER

Ehrlich, ich verstehe jeden, der auf Coonies steht, aber chronisch knapp bei Kasse ist. Ich arbeite in einem unterbezahlten Gesundheitsberuf, mein Studium an der Uni dafür hat mich nicht nur Nerven, sondern auch haufenweise Kohle gekostet, und ich kenne das Gefühl ziemlich gut, wenn am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist. Alle meine anderen Hobbys kennzeichnen sich durch enorm niedrige Maintenance-Kosten – damit für die Katzen genug übrig bleibt.

Denn das Ding ist: Deinen Katzen ist dein Einkommen egal. Es interessiert sie nicht, wenn du knapp bei Kasse bist.

Sie möchten trotzdem fressen, spielen und auf saubere Toiletten gehen.

Und unverschämterweise werden sie trotzdem krank.

DER BOOM DER MAINE COONS

Die Maine Coon war ursprünglich eine Naturrasse. Die Tiere waren entsprechend robust und wenig anfällig für Krankheiten.

Der erste Maine Coon meiner Mutter wurde fast zwanzig Jahre alt und war in diesen zwei Jahrzehnten vielleicht dreimal wegen irgendwelcher Zipperlein beim Tierarzt. Und damals gab es noch kein Catz Finefood und Co: Männy bekam Sheba.

Irgendwann sind die Coonies zur Moderasse geworden. Jeder wollte so einen großen Fellpuschel haben – »Züchter« schossen aus dem Boden wie Unkraut, Kleinanzeigen bei eBay und Co. stapelten sich, alle hatten süße Main(e) Coon Kitten aus liebevoller Hobbyzucht abzugeben.

Manche haben ihre Arbeit gut gemacht – das Maine mit e geschrieben, jede Verpaarung wohl überlegt, die Stammbäume ihrer Katzen analysiert, in tierärztliche Untersuchungen investiert, um kranke Tiere von der Zucht auszuschließen, und darauf geachtet, nur wesensfeste Charaktere zu verpaaren.

Andere haben zwei beliebige Katzen, die wie Maine Coons aussahen, gekauft, aufeinandergesetzt und den Nachwuchs verschachert.

Erstere – die, die die Genetik ihrer Katzen respektiert und ihre Zucht mit Herz und Verstand betrieben haben – haben Geld und Zeit investiert, um die Rasse zu erhalten, die ihnen wichtig war. Die haben für ihre Mühen entsprechend eine Gegenleistung vom Käufer verlangt: Geld.

Mehr Geld, als es jemand verlangen kann, der kopflos Tiere zum Verkauf produziert.

DER WERT EINES TIERES

Wenn man nun aber wenig Kohle hat und trotzdem eine solche Katze will? Dann nimmt man das billigste Angebot. Geschenkt bekommt man keine Rassekatze. Eine Schutzgebühr zahlt man immer. Und 600 Euro für eine Katze vom Züchter – man ist doch nicht verrückt! Das Teil soll einen im Monat nicht mehr als 30 Öcken kosten, hübsch aussehen und schnurren, wenn man den richtigen Knopf drückt. Rasse muss es schon sein, natürlich, aber es ist doch nur eine Katze!

Entschuldige den Sarkasmus.

Selbstverständlich ist es jedermanns eigene Entscheidung, wie viel Geld er für etwas ausgibt. Und ich schreibe das hier nicht, um Menschen ans Bein zu pinkeln, die diese wahnsinnigen Preise für eine Katze nicht zahlen möchten oder können. Ich verstehe das absolut.

Ich bin auch gar nicht der militante Typ: Jeder, der Tiere mag, ist mir automatisch sympathisch. Jedes Tier ist großartig. Und jedes Tier ist wertvoll. Unabhängig davon, wie es aussieht, wo es herkommt und wie sein Charakter ist.

Ich bin absolut dagegen, den Wert eines Tieres daran zu messen, was es gekostet hat.

Ich bin aber auch dagegen, Menschen zu unterstützen, die Tiere als Ware und Geldquelle betrachten.

DAS VERMEHREN DER SCHWACHEN

Genau das tut man mit jedem Kitten, das man einem solchen Katzenproduzierer abnimmt: Man unterstützt, dass Tiere zur Ware verkommen, für die man keine Verantwortung übernehmen muss.

Der vermeintlich kleine Betrag, der damit verdient wird, ist nämlich ein riesengroßer Grund, die Naturrasse Maine Coon weiter durch hirnrissige Vermehrung kaputt zu machen. Eng miteinander verwandte Tiere verpaaren, die bestenfalls die Anlagen sämtlicher Krankheiten tragen, für die die Coonies prädisponiert sind? Natürlich! Warum auch nicht?

In der Natur regelt sich so etwas von selbst: Wer nicht überlebensfähig ist, wird ausselektiert. Der Stärkste überlebt. Die Tiere, die mal aus der Natur geholt wurden, um die Vorväter unserer Coons zu werden, waren also zwangsweise ziemlich harte Kerle.

Wir Menschen dagegen krallen uns krampfhaft am Leben fest – und wir übertragen das auf unsere Tiere. Wir ziehen auch die Schwachen mit durch. So lange, wie wir irgendwie können. Wir lieben sie trotzdem. Und das ist okay. Das ist menschlich.

Aber: Unser Bestand an nachgezüchteten Coonies setzt sich schon lange nicht mehr nur aus robusten, widerstandsfähigen Katzen zusammen. Das ist Vergangenheit.

Vermehrer missbrauchen auch die schwächsten Tiere als Deck- und Gebärmaschinen. Und auch unbedarfte Personen, die aus unerfindlichem Grunde meinen, sich ohne Backgroundwissen am Züchten versuchen zu müssen, produzieren Kitten, die mit dem klassischen Maine Coon, wie ich ihn kennengelernt habe, nichts mehr gemeinsam haben.

DAS GROSSE GANZ

Es geht nicht nur darum, dass du mit einem Tier aus unseriöser und unüberlegter Vermehrung fix selbst ins Klo greifst. Wo keine Gesundheitsvorsorge betrieben wurde, ist die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten natürlich höher. Das betrifft sowohl Erbkrankheiten als auch Seuchen, Infektionen oder Parasitenbefall. Was du bei der Anschaffung gespart hast, hast du dann in Form von Behandlungskosten schnell wieder verloren.

Mir tut es für jeden Menschen leid, dem das passiert. Für ihn, und für sein Tier. Mir liegt aber nicht nur am Wohl des Einzelnen: Mir ist das große Ganze wichtig. Mir sind alle Maine Coons wichtig. Diese Rasse hat mich von Kleinauf begleitet – und ich will sie nicht vor die Hunde gehen sehen.

Wieso will ich dir also ans Herz legen, bitte bitte bitte auf die Herkunft deines Coonies zu achten? Darauf zu achten, dass du dein hart erarbeitetes Geld nur solchen Menschen überlässt, die ein Mindestmaß an Ahnung von dem haben, was sie da fabrizieren, und Verantwortung für das Leben übernehmen, das sie auf diese Welt holen?

DAS PROBLEM MIT DEN GENEN

Inzucht ist böse, das haben wir alle in der Schule gelernt. Im Rahmen der Katzenzucht lässt es sich schwer vermeiden, dass Tiere über einige Ecken miteinander verwandt sind – der Genpool der Coonies ist ohnehin winzig. Schnapp dir einen beliebigen Maine Coon-Stammbaum und verfolge die Ahnen des Tieres zurück: Je weiter du in den Generationen zurückgehst, desto mehr werden sich bestimmte Namen wiederholen. Andy und Bridget Katt of Heidi Ho. Dauphin de France und Tatiana of Tati-Tan. Smokie Joe of Whittemore. Diese Tiere bilden die sogenannte Top 5: Im Durchschnitt setzt sich der Stammbaum eines jeden Coonies zu etwa 70% aus diesen fünf Katzen zusammen.
Ich habe gerade den Stammbaum vom Boss gecheckt – bei ihm werden 72% seiner Ahnen von Top 5-Katzen gestellt.

Was, wenn nun fleißig Tiere verpaart werden, die von den 60er Jahren bis heute genetisch immer wahnsinnig eng beieinander waren?

Das Problem bei Inzucht ist nicht nur, dass rezessiv vererbte letale Gene mit voller Wucht durchschlagen können. Bei kontinuierlicher Inzucht verliert die Art ihre genetische Vielfalt – und je weniger Genmaterial noch vorhanden ist, desto schlechter kann der Körper auf »Angriffe von außen« reagieren. Die Gene für die verschiedenen Antikörper fehlen. Die Tiere werden krankheitsanfällig, die Lebenserwartung sinkt. (Und das ist bei den Coonies leider, leider bereits der Fall.)

Das heißt nicht, dass der durchschnittliche Maine Coon deswegen automatisch in irgendeiner Form krank ist. Aber das Wissen über einen kleinen Genpool sollte für jeden angehenden Verpaarer ein Signal sein, sich verdammt gut in die Materie einzuarbeiten, bevor wahllos Tiere gedeckt werden! Eine zu enge Verwandtschaft eines Pärchens sieht man nicht unbedingt beim Blick auf die letzten fünf Generationen. Man muss die ursprünglichen Linien der Coons kennen, um wirklich fremdes Blut (und frische Gene) für die nächste Generation finden zu können. Nur so tut man der Rasse (und damit den Menschen, die ihr Herz an sie verloren haben) einen Gefallen.

Und ja, das kostet Zeit, Nerven und Geld. Und ja, das gibt einem guten (!) Züchter das Recht, ein bisschen mehr für seine Kitten zu verlangen.

(Und das sage ich als Nicht-Züchter.)

WAS KOSTET NUN EINE MAINE COON KATZE?

Ein Liebhaberkitten aus einer tatsächlichen Zucht? 600 Euro Minimum, wenn vorm Deckakt das Gröbste an Vorsorge gelaufen ist. Eher mehr. Auch vierstellige Beträge sind locker möglich.

Doch unabhängig vom Kaufpreis, mal ganz ehrlich: Denkst du wirklich, ein Tier kostet im Unterhalt weniger als in der Anschaffung?

Maine Coons sind lange nicht mehr so widerstandsfähig wie früher.

Sie werden krank. Wenn man Glück hat, selten, wenn man Pech hat, ständig. Und wenn man richtig Pech hat, dann schwer.

Ein krankes Tier verursacht dir nicht nur haufenweise Sorgen, sondern auch Kosten. Die Medikation eines 10-Kilo-Katers ist deutlich teurer als die einer kleinen Europäisch Kurzhaar Katze. Bei einer kränklichen Mieze, bei der die zugrunde liegende Krankheit nicht ersichtlich ist, passiert es schnell, dass man mehrere Hundert Euro allein für die Diagnostik ausgeben muss, bevor überhaupt die Behandlung starten kann. Und die tierärztliche Versorgung ist so oder so nicht bekannt dafür, deinen Geldbeutel zu schonen.

Um zu verhindern, dass dein feliner Freund von einem Zipperlein ins nächste stolpert, kannst du versuchen, mit artgerechter Ernährung gegenzusteuern. Das Billigtrockenfutter vom Discounter ist dafür nicht geeignet. Und Maine Coons haben durch ihr hohes Gewicht natürlich wiederum einen höheren Bedarf an Nährstoffen als die süße Hauskatze von gegenüber.

Dann wäre da noch die Ausstattung: Maine Coons brauchen alles in XL. Größere, stabilere Kratzbäume kosten mehr Geld. Ebenso größere Klos. Größere Klos bedeuten außerdem mehr Katzenstreu, denn deine Miezen möchten ja buddeln können. Und Transportboxen? Nicht alle sind für Coonies geeignet.

Tiere sind das schönste Hobby, das man haben kann. Maine Coons sind bedingungslos liebende Freunde, wenn man es richtig anstellt. Wertvolle Familienmitglieder. Geniale Clowns und Entertainer.

Aber sie kosten Geld.

FAZIT

Es heißt immer, Freundschaft und Liebe könne man nicht kaufen – ein Tier zu adoptieren ist allerdings immer mit einem Geldtransfer verbunden, vielleicht ist dieser Spruch also gar nicht wahr?

Ich weiß, dass die Preise von Rassekatzen sich oft wie eine persönliche Beleidigung anfühlen. Himmel, muss man denn Krösus sein, um ein Tier bei sich aufnehmen zu können?! Aber die Entscheidung für oder gegen eine Rasse steht jedem frei: Wenn es wirklich Maine Coon Kitten statt hübscher Kurzhaariger aus dem Tierheim sein sollen, dann muss man für diese Entscheidung gerade stehen. Und im Falle der sowieso gebeutelten Rasse der Coonies bedeutet das, Verantwortung zu übernehmen und bei der Auswahl eines Züchters mehr auf den Kopf statt auf das eigene Herz zu hören. (Denn, ja, toll sind die Tiere natürlich alle.)

Vielleicht bist du eigentlich auch gar nicht sonderlich eingeschossen auf Babymiezen im Haus? Leider werden auch Maine Coons regelmäßig aus den unterschiedlichsten Gründen vor die Tür gesetzt – wenn du noch keine Tiere im Haus hast, die auf gestandene Jungs und Mädels wenig begeistert reagieren (oder wenn deine Tiere toleranter sind als mein Boss), dann lohnt sich auch ein Blick in die Tierheime oder zur Maine Coon Hilfe. Die Fellgiganten dort wären dir dankbar, wenn du ihnen ein neues Zuhause schenken würdest! Die Schutzgebühren kosten dich weniger als Tiere vom Züchter – und anders als bei Kitten weißt du bei den größeren Kalibern natürlich gleich, was du bekommst. Bei einem Kitten kann dir niemand sagen, wie es sich optisch und charakterlich entwickeln wird.

Wenn du bis hierher gelesen hast, weiß ich, dass du das Beste für dein Tier willst. Deswegen bin ich mir sicher, dass du für dich, deine Katzen und die Coons die richtige Entscheidung treffen wirst, wenn du über die Anschaffung eines Fellgiganten nachdenkst. Ganz sicher darf die Haltung dieser wunderbaren vierbeinigen Zeitgenossen nicht den Reichen vorbehalten sein – am Ende ist Geiz aber ein miserabler Ratgeber.

Und, hey, es gibt einen Silberstreif am Horizont: Deine Coons werden dir beibringen, verdammt gut mit Geld umzugehen. Versprochen!

Vielen Dank an den Verfasser dieses Artikels!